Gute Seiten – schlechte Seiten

Heute möchte ich Ihnen drei kurze Geschichten erzählen. Nur eine davon ist wahr. Ob Sie wohl erraten, welche es ist?


Geschichte Nr. 1

Eine Tagesmutter berichtete neulich in einem unserer Aufbaukurse:

Sie betreut drei Kinder. Zwei davon sind vergleichsweise ältere Jungen, die seit Monaten das dritte Kind, das kleiner und jünger ist, immer wieder ärgern, indem sie ihm Spielzeug wegnehmen, es schubsen, schlagen und beleidigen. Außer durch ihre Rücksichtslosigkeit und Gehässigkeit fallen sie dadurch auf, daß sie es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Schon oft ist die Tagesmutter von ihnen belogen worden. Sie scheinen wenig Mitleid zu haben, und offensichtlich fehlt ihnen jedes Unrechtsbewußtsein, obwohl sie beide schon sechs Jahre alt sind.

Vor kurzem haben sie dem kleineren Kind wieder etwas zerstört, das es mühsam aufgebaut hatte. Außerdem hatte es eine Wunde im Gesicht und blutete. Die Tagesmutter hatte einen Teil des Geschehens aus dem Nebenraum beobachtet, war aber mit anderen Dingen so beschäftigt, daß sie nicht eingegriffen hat.

Sie befragte daraufhin die beiden großen Jungen getrennt von dem dritten Kind. Sie erzählten ihr, daß das kleinere Kind niederträchtig und grausam sei, daß es geplant habe, viele der Spielzeuge im Kinderzimmer zu stehlen und mit nach Hause zu nehmen. Im übrigen habe es selbstverständlich so wie immer den Streit angefangen.

Die Tagesmutter hörte sich diese und ähnliche Erklärungen der beiden großen Jungen immer wieder an. Fast jeden Tag kamen neue Behauptungen über das angebliche aggressive Verhalten des kleineren Kindes und seine schlechten Charaktereigenschaften hinzu. Das kleinere Kind selbst wurde von der Tagesmutter nur ganz kurz angehört und dann streng getadelt. Die beiden Jungen wurden von der Tagesmutter dafür gelobt, daß sie sich gewehrt haben. Sie forderte sie auf, sich auch in Zukunft von dem kleineren Kind nichts gefallen zu lassen.

Als die Tagesmutter das in unserem Seminar erzählt hatte, wurde sie von den anderen Teilnehmerinnen für ihr gutes Verhalten beglückwünscht.


Geschichte Nr. 2

Ich bin seit mehreren Jahren mit einem Ehepaar befreundet, dessen Beziehung leider nicht immer spannungsfrei war. Genauer gesagt gab es ziemlich oft nicht nur Streit, sondern auch tätliche Auseinandersetzungen. Die Frau konnte gelegentlich kompliziert sein, aber – ehrlich gesagt – lag das Problem eindeutig bei dem Mann. Er hat seine Frau wiederholt verprügelt und auch mehrmals mit anderen Frauen betrogen. Sein Verhalten war wirklich egoistisch. Von Freunden habe ich immer wieder gehört, daß er seine Frau nur wegen des Geldes geheiratet hat, daß er sie benutzt und belügt. Ich habe mich oft gefragt, warum sie ihn nicht verlassen hat und woher sie die Kraft nahm, ihm immer wieder zu verzeihen.

Vor einigen Monaten gab es einen ziemlich großen Krach. Diesmal hatte er es wirklich übertrieben. Die Details will ich ihnen ersparen, denn sie sind nicht sehr appetitlich. Jedenfalls hat die Frau ihn dann doch verlassen und ist zu ihrer Mutter gezogen.

Vor kurzem saß ich mit dem Mann zusammen über einem Glas Rotwein. Er berichtete mir ungefragt, was in seiner Ehe vorgefallen war und sagte mir, seine Frau sei verlogen und egoistisch und er wäre gezwungen gewesen, sich vor ihr zu schützen, weil sie ganz sicher vorgehabt hätte, ihn zu verprügeln oder sogar zu ermorden, sich das Haus unter den Nagel zu reißen und mit einem anderen Mann dort zu leben. Was er getan hat, war nach seiner Darstellung eine Art „Präventivschlag“.

Selbstverständlich habe ich ihm sofort geglaubt. Den Kontakt zu seiner Frau habe ich beendet. Als sie neulich anrief, habe ich schnell den Hörer aufgelegt, denn ihre Lügen wollte ich mir nun wirklich nicht anhören.


Geschichte Nr. 3

In der Ukraine findet mit Unterstützung der USA und der EU ein gewaltsamer Umsturz statt, wodurch die demokratisch gewählte Regierung durch ein Regime ersetzt wird, das zum Teil aus extremen Nationalisten der widerlichsten Sorte besteht und kurz nach Machtantritt wichtige demokratische Rechte einschränkt und politische Gegner mit großer Rücksichtslosigkeit und auch mit Gewalt bekämpft.

Einige Teile des Landes sind mit dem Putsch in Kiew nicht einverstanden, die autonome Republik Krim trennt sich von der Ukraine und schließt sich der Russischen Föderation an, die Ost-Ukraine um Donezk und Lugansk fordert eine Föderalisierung.

Die Regierung beginnt eine „Anti-Terror-Operation“: Sie entsendet das Militär, das zusammen mit der „Nationalgarde“ und einigen „Freiwilligen-Battaillonen“ Städte und Dörfer mit schwerer Artillerie, auch mit Merhrfachraketenwerfern, also „zielungenauen“ Waffen, beschießt und dabei viele hunderte von unbeteiligten Zivilisten tötet. Über eine Million Menschen fliehen aus ihren Wohngebieten, mehr als 800.000 von ihnen nach Rußland.

Die Stadt Lugansk wird weitgehend von der Wasser- und Stromversorgung abgeschnitten. Die Einwohner leiden sehr unter der Blockade durch die ukrainischen Truppen und den täglichen Bombardements. Der „Westen“ unterstützt die „Anti-Terror-Operation“. Rußland liefert Hilfsgüter an die notleidende Bevölkerung.

Die Regierung in Kiew erfindet immer wieder neue Lügen und verbreitet die haarsträubendsten Behauptungen, die sich zwar allesamt nicht belegen lassen, aber dennoch eine gewisse Auswirkung auf die Wahrnehmung im Westen haben. Den Verteidigern, also den Gegnern des Putsches und Befürwortern des Föderalismus bzw. einer Autonomie der südöstlichen Gebiete der Ukraine, gelingt es, die Kiewer Truppen zurückzudrängen, worauf Machthaber Poroschenko sich zu einem Waffenstillstand und zu Verhandlungen bewegen läßt.

Die USA und die EU bestrafen Rußland mit Sanktionen, die westliche Presse schildert Präsident Putin als Aggressor, der sich nicht an die Spielregeln hält und gestoppt werden muß, damit er nicht auch noch andere Nachbarländer überfällt.


Nicht erst seit der „Ukraine-Krise“ werden wir von unseren „Mainstream-Medien“ mit anti-russischer Propaganda erfreut, und die Hetze gegen die russische Regierung hat in letzter Zeit teilweise Formen angenommen, die man mit gutem Recht als Kriegs-Hetze bezeichnen kann.

Und – wie könnte es anders sein? – die permanente Falschinformation hat inzwischen bei vielen Zeitungslesern und Fernsehzuschauern ihre Wirkung entfaltet. So gibt es anscheinend tatsächlich viele Deutsche, die glauben, daß Wladimir Putin eine Wiederherstellung der Sowjetunion plane oder die baltischen Staaten und Polen überfallen möchte, daß „die Russen“ die malaysische Boeing abgeschossen hätten und mit Tausenden von Soldaten und hunderten von Panzern in die Ukraine eingefallen seien usw. und daß der Westen in der Ukraine für die „Demokratie“ kämpfe.

Wie konnte es so weit kommen? Hat unsere Presse so versagt? Vielleicht muß man sogar annehmen, daß unsere Presse gerade nicht versagt hat, sondern ihr Ziel erreicht hat: Nämlich ein Feindbild zu malen. Das Feindbild Rußland. Wie das geht? Schauen Sie sich einmal diesen kleinen Film an. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus einer Folge der ZDF-Serie „Neues aus der Anstalt“.

„Wenn die Bösen etwas Böses machen, ist es böse. Wenn die Guten etwas Böses machen, ist es gut. Und wir sind die Guten.“

Es gibt Menschen, die mit viel Mühe und viel Geld daran arbeiten, ein solches Bild in unseren Köpfen zu erzeugen. Können wir es schaffen, uns dagegen zu wehren?

Ebenfalls aus der „Anstalt“ ist der folgende Ausschnitt. Gesendet wurde er am 23.09.14. „Deutschland im Medienkrieg.“ Das Lachen bleibt einem im Halse stecken.

Wir wissen, daß wir belogen werden. Und trotzdem scheint es fast unmöglich, sich der Beeinflussung durch die Medien zu entziehen. Daß man uns bezüglich der „Ukraine-Krise“ und der Spannungen mit Rußland nicht die Wahrheit sagt, haben wir irgendwann gemerkt. In vielen anderen Bereichen fällt uns die Manipulation gar nicht auf. Die meisten Menschen in unserem Land scheinen nicht einmal den Versuch zu machen, sich gegen die tägliche kleine Propaganda zu wehren, und ich denke, das ist nur zu verständlich.

Welchen Verführungskünsten der Mächtigen werden Ihre Kinder später einmal ausgesetzt sein? Werden sie weniger empfänglich für Manipulationen sein als wir? Werden sie selbständiger urteilen können? Werden sie mehr Mut und Kraft haben, Widerstand zu leisten? Oder werden sie für die „westlichen Werte“ in den Dritten Weltkrieg marschieren?

Haben Sie selbst darauf irgendeinen Einfluß? Und wären Sie bereit, diesen Einfluß zu nutzen?

Übrigens: Daß „der Westen“ uns belügt, bedeutet nicht automatisch, daß Rußland uns die Wahrheit sagt. 😉  Es gibt natürlich auch russische Propaganda. Aber das ist eine andere Geschichte.

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